Verschiedene Sondereinheiten der Feuerwehren vor Ort im Einsatz
Am 23.05.2025 kam es in einem Reifencenter in Eggenfelden zu einem Großbrand. Dieser machte einen umfangreichen Einsatz von Feuerwehr, Katastrophenschutz und weiteren Hilfskräften erforderlich. In Summe waren rund 400 Einsatzkräfte mit etwa 90 Fahrzeugen über mehrere Stunden eingesetzt.
In diesem Bericht wird auf die eingesetzten Sondereinheiten der Feuerwehren des Landkreises Rottal-Inn eingegangen.
Gegen 14:30 Uhr löste die ILS Passau mit dem Stichwort B4, Brand Industrie, Alarm für die Feuerwehren im Bereich Eggenfelden, Mitglieder der Kreisbrandinspektion Rottal-Inn, sowie für den Rettungsdienst aus. Bereits bei der Erstmeldung wurde durch die Disponenten der Leitstelle von einem Vollbrand gesprochen. Als Aktive der Freiwilligen Feuerwehr Eggenfelden zum Gerätehaus fuhren, war bereits eine massive Rauchentwicklung sichtbar. Der erste Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Eggenfelden, Herbert Stauber, veranlasste noch auf der Anfahrt die Nachforderung eines weiteren Löschzuges.
Die massive Rauchentwicklung war für alle anrückenden Einsatzkräfte bereits auf der Anfahrt, auch aus weiter Entfernung, wie zum Beispiel Pfarrkirchen und Gumpersdorf deutlich zu sehen.
Nach der ersten Erkundung an der Einsatzadresse, sowie im weiteren Verlauf des Einsatzes kam es immer wieder zu Nachforderungen von weiteren Einheiten. Unter anderem wurden weitere Drehleitern bzw. ein Teleskopmast, das Modul Wasserförderung und zusätzliche Tragkraftspritzenfahrzeuge nachalarmiert. Es kamen mehrere Schlauchwagen zum Einsatz. Darunter befand sich auch der Schlauchwagen SW-Kat Bund, der bei der Freiwilligen Feuerwehr Ruppertskirchen stationiert ist. Es handelte sich um den ersten Einsatz für dieses Fahrzeug, das erst Ende 2024 ausgeliefert wurde.
Die durch den Großbrand entstandene, starke Rauchentwicklung machte einen Einsatz des Modul Warnen der Bevölkerung notwendig. Mit insgesamt fünf mobilen Sirenen/Lautsprecheranlagen wurde die Bevölkerung im Stadtgebiet von Eggenfelden gewarnt. Es wurde dazu aufgerufen, Fenster und Türen zu schließen. Die gleiche Warnung wurde über diverse Warnapps und den Hörfunk abgegeben.
Im gesamten Stadtgebiet von Eggenfelden wurden außerdem Rauchgasmessungen durch die Besatzung des CBRN-Erkundungskraftwagens, dieser ist Bestandteil des Modul Messen und Erkunden durchgeführt. Hierbei galt es potenzielle Gefahrenstoffe in der Luft zu erfassen, zu dokumentieren und die Ergebnisse in die weitere Einsatzplanung, sowie Warnung der Bevölkerung einfließen zu lassen. Ebenfalls wurden mit der Drohne des Landkreises Rottal-Inn, stationiert im Modul Messen und Erkunden, Dokumentationen und Übersichtsbilder angefertigt. Um hier ein sicheres Arbeiten zu ermöglichen und Gefahren für den Flugverkehr auszuschließe musste der Flugplatz Eggenfelden für diese Zeit gesperrt werden.
Aufgrund der Dimension und Gefährdungslage dieses Brandereignisses wurde nach circa einer Stunde, der Artikel 15 des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes (Örtliche Einsatzleitung bei Schadensereignissen unterhalb der Katastrophenschwelle) festgestellt. Der erhöhte Koordinierungsbedarf an der Einsatzstelle, sowie die massive Rauchausbreitung im Stadtgebiet machten dies notwendig. Kreisbrandrat René Lippeck übernahm die Aufgabe des Örtlichen Einsatzleiters.
In diesem Zusammenhang wurde auch die Kreiseinsatzzentrale unter der Führung von Fach-KBM Florian Sager in Betrieb genommen, sowie die Ansprechpartnerin der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) informiert.
Zur Strukturierung des Einsatzes wurden fünf Einsatzabschnitte gebildet. Es bestanden zwei Abschnitte Brandbekämpfung, diese wurden vom stellvertretenden Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Eggenfelden, Martin Halbinger, und von Kreisbrandinspektor Andreas Maurer geleitet.
Der enorme Löschwasserbedarf wurde zum einen aus einem offenen Gewässer, der Rott, über fünf B-Leitungen sichergestellt. Dabei mussten jeweils Strecken zwischen 800 Metern und einem Kilometer zurückgelegt werden. Diesen Abschnitt leitete Kreisbrandmeister Martin Bichlmaier.
Des Weiteren wurden verschiedene Hydranten im Umfeld der Brandstelle zur Löschwasserversorgung in Betrieb genommen. Um hier ein sicheres Arbeiten zu ermöglichen, mussten die Bahnstrecke Passau - Mühldorf und der Bahnhof Eggenfelden vorübergehend gesperrt werden.
Der vierte Abschnitt mit den Schwerpunkten Messen/Erkunden, Warnen der Bevölkerung und Logistik (Atemschutz, Schaummittel, Treibstoff) wurde von Fach-KBM Heiko Schedlbauer geleitet.
Da zu Beginn des Einsatzes enorme Nachforderungen stattfanden und die Kräfte koordiniert werden mussten, wurde ein fünfter Abschnitt Bereitstellungsraum eingerichtet. Dieser wurde von Kreisbrandmeister Peter Strobl geleitet und nach einiger Zeit wieder aufgelöst.
Um den Bedarf an Schaummittel decken zu können wurde bei der Werkfeuerwehr Wacker Chemie AG aus Burghausen 3.000 Liter Schaummittel angefordert. Das Schaummittel wurde innerhalb kurzer Zeit in IBC an die Einsatzstelle geliefert.
Durch die Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Großbrandes mussten diverse, dadurch entstandene Gefahren für die Umwelt festgestellt werden. Insbesondere kam es zu Problemen mit der städtischen Kläranlage, die durch das kontaminierte Abwasser beeinträchtigt wurde. Die Feuerwehr unterstützte mit Ölschlängel das Personal vor Ort.
Bei diesem Großbrand kamen einige Sondereinheiten und Sonderfahrzeuge des Katastrophenschutzes zum Einsatz.
1. Modul Messen / Erkunden, mit dem CBRN-Erkunder wurden kontinuierlich Messungen durchgeführt. Auch die Abschnittsleitung wurde durch das MZF Pfarrkirchen gestellt.
2. Modul Warnen, es waren fünf mobile Sirenenanlagen im Einsatz (Alarmierung nach Bereichsfolge).
3. Das erste Mal im Einsatz war der Abrollbehälter Wasser. Dieser wurde zur Wasserversorgung im Nordbereich des Brandobjekts eingesetzt.
4. Mit den Abrollbehältern Gefahrgut und Atemschutz wurde die Atemschutzlogistik abgewickelt und eine Atemschutzsammelstelle aufgebaut.
5. Ebenfalls zum ersten Mal im Einsatz waren Teile des Moduls Treibstoffversorgung. Mit der mobilen Tankstelle konnte eine Otto-Kraftstoffversorgung durchgeführt werden.
6. Der Schlauchwagen Kat Bund wurde zum Ersteinsatz gerufen
7. Mit der Drohne des Landkreises Rottal-Inn wurden kontinuierlich Fotos und eine Dokumentation angefertigt.
8. Mit dem Abrollbehälter Mulde wurde weiteres Schaummittel an die Einsatzstelle geliefert.
Die Lage war über Stunden hinweg angespannt, konnte jedoch durch das koordinierte Vorgehen der Einsatzkräfte unter Kontrolle gebracht werden. Dies war nur durch die professionelle Zusammenarbeit unter den Feuerwehren und Sondereinheiten, aber auch mit weiteren Hilfsorganisationen und Behörden möglich.
Ein besonderer Dank gilt dabei dem BRK Rottal-Inn. Über mehrere Stunden standen Rettungswagen zur Eigenabsicherung zur Verfügung. Außerdem wurden die Einsatzkräfte über zwanzig Stunden mit Essen und Trinken hervorragend versorgt.
Bei diesem Großschadensfall bestätigte sich, dass die umfangreichen Beschaffungen der letzten Jahre, seitens des Landkreises Rottal-Inn sinnvoll und notwendig waren. So konnte auf viele Sondergeräte zurückgegriffen werden, die mittlerweile dem Katastrophenschutz zur Verfügung stehen.