Frauen bei der Feuerwehr beweisen täglich ihre Stärke
Große Zahl
weiblicher Interessentinnen - Erfahrungsbericht aus der Berufsfeuerwehr München
- Hauptrolle bei Einsätzen „mit Feingefühl“

Die Feuerwehr-Frauen
mit (vorne, von links) KBM Ludwig Schäfer, Kommandant Josef Holzhauser,
KBI Georg Hochholzer, Suzanne Hemmer (stehend), Bürgermeister Franz Pichlmeier,
Berufsfeuerwehrfrau Carmen Rott, Landrätin Bruni Mayer, Frauenbeauftragte
Andrea Fürstberger, Rosemarie Pfaffinger und Christiane Wimmer. (Foto:
Plodek)
von Doca Plodek
Falkenberg.
427 Frauen gibt es bei den Feuerwehren im Landkreis Rottal-Inn und 134 Anwärterinnen.
Ihre eigene Internet-Homepage verzeichnet über 900 Zugriffe. Liegen Feuerwehr-Frauen
im Trend? Möglicherweise ja. Auf Widerstand stoßen sie gelegentlich
aber immer noch.
Suzanne Hemmer ist 13 Jahre alt und besucht die 7. Klasse des Gymnasiums Eggenfelden.
Die schöne Uniform der Feuerwehr-Frauen trägt sie noch nicht. Sie
muss noch einige Jahre warten, bis sie das darf. Zum inzwischen elften Treffen
der Feuerwehrfrauen des Landkreises im Feuerwehrhaus Falkenberg kam sie trotzdem
und blieb bis zum Schluss. Momentan ist Schule noch ihr Hauptthema, doch bei
den Feuerwehrfrauen will sie dshalb trotzdem sein. Suzanne ist eines der 134
Mädchen im Landkreis, die bei der Jugendfeuerwehr mitmachen. Die Zahl der
Buben ist übrigens um einiges niedriger.
Zahl der Wehren mit Frauen stagniert
Insgesamt sind aktuell 427 Frauen bei den Feuerwehren im Landkreis aktiv. Unter
ihnen sind auch acht Maschinistinnen und acht Atemschutzträgerinnen. „Das
ist eine Steigerung von über zwölf Prozent“, berichtete Andrea
Fürstberger mit ein bisschen Stolz. Sie ist die Frauenbeauftragte des Kreisfeuerwehrverbandes.
Schade sei nur, so Fürstberger, dass die Zahl der Feuerwehren nicht steigt,
die Frauen aufnehmen. „Die Bereitschaft dazu stagniert seit einigen Jahren.“
Fürstberger hoffte, dass die von Josef Graf von Deym ausgelöste Diskussion
in der Feuerwehr Arnstorf (Frauen würden die Art der Männer zu feiern
nicht verstehen, wir berichteten) dazu beitrage, dass in diesem Jahr mehr Frauen
Mitglied werden können.
Dass aktive Frauen bei den Feuerwehren inzwischen eine Selbstverständlichkeit
sind, daran zweifelt niemand mehr. Dass sie trotzdem immer wieder auf Widerstand
von Seiten ihrer männlichen Kollegen stoßen, sei leider noch eine
Tatsache mit der sie leben müssten. Dabei beweisen sie immer wieder, dass
sie Aufgaben erledigen können, die man vor einigen Jahren nur Männern
zugetraut hätte, sagte Fürstberger.
Eine Bestätigung dafür lieferte die erste Berufsfeuerwehrfrau Bayerns,
Carmen Rott. Sie kam auf Einladung von Andrea Fürstberger, um über
ihre Arbeit bei der Feuerwehr in München zu berichten. Rott kommt aus Eggenfelden
- was ein wenig ironisch ist, denn die Feuerwehr Eggenfelden ist eine von denen
im Landkreis, die keine Frauen in ihren Reihen haben. Sie war die erste Frau
in Bayern, welche die Berufsprüfung bestand. Das war 1997. Seitdem und
nach einigem Kampf um Akzeptanz arbeitet sie wie alle anderen auch und ist heute
Rettungsassistentin.
Bisher hätten nur vier Frauen die Feuerwehr zu ihrem Beruf gemacht. Sie
würden jedoch, so Rott, eine wichtige Arbeit leisten. Insbesondere wenn
Feingefühl gefragt ist, würden sie die Hauptrolle spielen. „Speziell
bei Unfällen, wenn es um die Betreuung der Angehörigen geht, sind
Frauen nicht mehr weg zu denken“, unterstrich sie.
Mit ihren älteren männlichen Kollegen habe es nie Probleme gegeben,
eher schon mit den jüngeren. „Das war aber nur am Anfang. Später
haben sie gemerkt, dass ich einfach arbeiten wollte und sie haben angefangen
mich zu akzeptieren. Heute habe ich keine Probleme mehr.“
Landrätin wäre selbst gern Feuerwehr-Frau
Landrätin Bruni Mayer ist ein Fan der Feuerwehr-Frauen. Sie würde
selbst gerne eine sein, erklärte sie, doch leider wäre es dazu schon
zu spät für sie. Jedoch bekräftigte sie bei dieser Gelegenheit
die Unterstützung für ihre „Mädels“ und bedankte
sich bei ihnen herzlich für ihre bedingungslose Einsatzbereitschaft. Sie
wisse dies zu schätzen, insbesondere, wenn sie an die Unbeholfenheit vieler
Menschen in Katastrophensituationen denke. „Die ganze Geschichte um die
angebliche Bedrohung durch die Vogelgrippe hat uns mehrfach gezeigt, wie hilflos
und verloren wir sind und wie falsch wir deswegen handeln“.
Am Treffen nahmen auch Kreisbrandmeister Ludwig Schäfer, Kreisbrandinspektor
Georg Hochholzer, Falkenbergs Bürgermeister Franz Pichlmeier und Kommandant
Josef Holzhauser teil. Für Hochholzer ist die Integration der Frauen in
den Feuerwehren ein echtes Geschenk. „Als keine Frauen bei uns waren,
konnten wir uns nicht vorstellen, dass sie eines Tages mit uns im Einsatz sein
könnten. Heute ist es unvorstellbar, dass unsere Feuerwehren ohne sie auskommen
könnten. Ich bin sehr froh, dass wir sie haben“.
Seine Meinung teilten auch Kommandant Holzhauser, KBM Schäfer und Franz
Pichlmeier. Er könne nicht bestimmen, so der Bürgermeister, wie die
Feuerwehren in anderen Ortschaften den Frauen gegenüber stehen. Bei den
Wehren in seinem Bereich - immerhin fünf an der Zahl, drei davon mit weiblicher
Beteiligung - würden sie immer einen Platz haben und seien sehr willkommen.
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